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Tarifrunde Metall- und Elektroindustrie- mit Berichterstattung und Bildergalerie

Weiter geht´s mit 800 Metallerinnen und Metallern bei BMW in Spandau

31.10.2022 | Die Kolleginnen und Kollegen von BMW und Rhenus strömten ab 9.00 Uhr aus dem Werktor vom BMW-Werk in Spandau. Die Polizei sperrte kurze Zeit später die Straße. Insgesamt 800 Metallerinnen und Metaller machten lautstark klar: 8 Prozent - haben wir uns verdient! Um kurz vor 11 endete der zweistündige Warnstreik mit einer Menschenkette zwischen den Werktoren.

Mehr als 800 Metallerinnen und Metaller im Warnstreik vor dem BMW-Werk in Spandau - Alle Fotos: Christian von Polentz/transitfoto.de

Jan Otto, Erster Bevollmächtigter IG Metall Berlin, redet vor mehr als 600 Warnstreikenden vor dem BMW-Werk

Betriebsratsvorsitzender Markus Kapitzke redet beim Warnstreik am 31. Oktober vor dem BMW-Werk

Vertrauenskörperleiter Marcus Blatter am 31. Oktober vor dem BMW-Werk

IG Metall Bezirksleiterin Irene Schulz am 31. Oktober vor dem BMW-Werk

Mit zwei Reisebussen kamen 80 Kolleginnen und Kollegen aus dem BMW-Werk in Leipzig solidarisch zum Warnstreik nach Berlin. Der Reformationstag ist ein Feiertag in Sachsen. Und aus zahlreichen Betrieben in Berlin wie Mercedes-Benz, Siemens, ASML, und viele mehr waren Metallerinnen und Metaller mit vors Tor gekommen. Mit Trillerpfeifen, Tröten, lautem Klatschen und Sprechchören waren die Metallerinnen und Metaller weithin zu hören.

Markus Kapitzke, Betriebsratsvorsitzender im BMW-Werk, sagte zu Beginn: "Die IG Metall hat heute zum Warnstreik aufgerufen. Wir stehen hier heute in voller Stärke. Solidarität verbindet. Sogar unsere Kolleginnen und Kollegen aus dem BMW-Werk in Leipzig sind dabei. Auch aus vielen Betrieben in Berlin sind zur Unterstützung Metallerinnen und Metaller gekommt. Wir zeigen hier heute ganz laut, dass unsere Forderung nach 8 Prozent absolut berechtigt ist. Denn, was ihr als Belegschaft in den letzten zweieinhalb Jahren geleistet habt, ist unvergessen. Ihr seid dafür verantwortlich, dass unser Unternehmen Milliardengewinne einfährt. Also ist unsere Forderung mehr als berechtigt. Das Angebot der Arbeitgeber ist schlichtweg gruselig."

"Kaiserwetter. Wir haben viel solidarische Unterstützung - aus Leipzig, der BMW-Niederlassung, von Rhenus und der Bremsscheibe. Wenn die Arbeitgeber sich nicht bewegen, werden wir auch beim zweiten Warnstreik zeigen, dass wir im Werk die Forderung nach 8 Prozent sehr ernst meinen", ergänzte Marcus Blatter, Vertrauenskörperleiter im BMW-Werk.

Irene Schulz, Bezirksleiterin IG Metall Berlin, Brandenburg, Sachsen und Verhandlungsführerin, nahm das Angebot der Arbeitgeber auseinander. Die hatten eine Einmalzahlung von 3000 Euro ins Schaufenster gestellt, allerdings soll die für zweieinhalb Jahre reichen. Zu einer Erhöhung der Lohnerhöhung erklärten sie sich im Grundsatz bereit, ohne aber konkret zu werden - keine Prozentzahl, kein Datum. "Diese Einmalzahlung wird zum Scheinriesen, wenn man sich den Beipackzettel ansieht", erklärte Irene Schulz. "Das ist kein Angebot. Das ist eine Provokation." Und weiter: "Arbeitgeber nehmt Tempo auf, legt den Schalter um, zeigt Verantwortung und legt endlich ein ordentliches Angebot vor!"

Jan Otto, Erster Bevollmächtiger der IG Metall Berlin, bedankte sich bei den BMW-Kolleginnen und Kollegen aus Leipzig und aus den anderen Betrieben in Berlin: "Heute zeigt Ihr hier eine Solidarität, die sich sehen lassen kann. Wir stehen hier im Bezirk zusammen." Jan Otto erinnerte an die Leistungen der Beschäftigten in den vielen Krisen der vergangenen Jahre. Wir haben alle in den Betrieben mit einem hohen Maß an Verantwortung gehandelt und alles gegeben. Und jetzt haben die Arbeitgeber das erste Mal die Chance, etwas zurück zu geben. Und stattdessen vertrösten sie uns in bisher drei Verhandlungsrunden, legen kein ernst zu nehmendes Angebot vor und zeigen uns damit, dass wir ihnen offensichtlich egal sind und das ist nicht in Ordnung."

Berichterstattung:

rbb Abendschau, 31. Oktober, 19.30 Uhr - ab 01:00 bis 01:30 im Nachrichtenblock

Tagesspiegel online, 1. November

FAZ online, 31. Oktober

 

Von: Andrea Weingart